Kritik an neuer Friedensdenkschrift
Theologe Marco Hofheinz hält den Text der EKD für nicht gelungen
In einer Vortragsveranstaltung der Lippischen Landeskirche im Gemeindehaus am Markt in Detmold warf Hofheinz den Verfassern des Textes „Welt in Unordnung – Gerechter Friede im Blick“ von 2025 falsche Akzente, einen willkürlichen Gebrauch biblischer Aussagen und unklare theologische Begrifflichkeiten vor. Besonders im Vergleich zu der früheren EKD-Denkschrift „Aus Gottes Frieden leben – für gerechten Frieden sorgen“ (2007) hält er die neue Friedensdenkschrift für nicht gelungen.
Angesichts des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine und des gewalttätigen Nahostkonflikts hatte sich der Rat der EKD im November vergangenen Jahres erstmals seit 2007 wieder grundsätzlich zum Thema „Gerechter Friede“ geäußert. Die protestantische Friedensethik, so die EKD, befindet sich in einem Prozess der Neuorientierung, der noch nicht abgeschlossen ist. Die Denkschrift will nach eigener Aussage daher auch keine fertigen Antworten liefern. Stattdessen versteht sie sich als Beitrag zur Gewissens- und Meinungsbildung und will Orientierungspunkte für die gesellschaftliche Debatte liefern.
Neu ist, dass der „Schutz vor Gewalt“ als ein Grundpfeiler des gerechten Friedens Vorrang hat. Der Schutz vor Gewalt und damit die Fähigkeit zur Verteidigung sei die Voraussetzung für alles andere, sagt die Denkschrift: also für die Förderung von Freiheit, für Gerechtigkeit und für einen friedensfördernden Umgang mit Vielfalt.
Hier setzt die Hauptkritik des Theologen ein: Der Vorrang des Schutzes vor Gewalt, also das Ziel der Sicherheit, sei biblisch und auch politisch nicht zu begründen. Hofheinz, Professor für Systematische Theologie an der Universität Hannover und Mitglied der Lippischen Landessynode, argumentierte mit der Kritik der Propheten des Alten Testaments an der damaligen Situation. Sicherheit sei weniger ihr zentrales Thema gewesen als Gerechtigkeit. Und heute gehe es in der Ukraine zum Beispiel hauptsächlich um Freiheit. Die Forderung des EKD-Textes, schwerwiegende Entscheidungen „abzuwägen“, ist für Hofheinz zu wenig. Er vermisst eine beispielhafte Darstellung eines solchen Abwägungsprozesses.
Der Referent kritisierte zudem den Umgang mit biblischen Aussagen in der EKD-Denkschrift. So fehle ein Bezug zum Frieden, der beim Gottesdienst ansetzt. Das Gebet sei, anders als der EKD-Text nahelegt, keine bloße „Vergewisserung“, sondern umfasse weit mehr. Der Theologe bemängelte auch, dass in der Denkschrift die Wendung von der „noch nicht erlösten Welt“ fehlt und stattdessen von der „unerlösten Welt“ die Rede ist: Dies blende die christliche Hoffnung aus, dass sich die Welt positiv verändern lasse.
In der nachfolgenden Diskussion unterstützten viele Teilnehmende die Kritik an der neuen Ausrichtung der neuen Denkschrift. Hofheinz regte abschließend Kirche und Gemeinden an, an diesem Thema weiterzuarbeiten.
20.04.2026
